Dec. 4, 2015

Küss die Hand

In den vier Jahren USA habe ich fleißig gebloggt. Es gab genug mitzuteilen. Für meine neue Website habe ich ein paar der Posts von damals rausgeholt. Unter anderem diesen hier:

Küss die Hand

Ist schon klar. Es gibt unterschiedliche Formen sich zu begrüssen. Jedes Land hat seine eigenen Sitten. Sich die Hand zu geben, ist eine sichere Sache, zumindest in Europa. Und ich dachte das klappt auch hier in den USA. Weit gefehlt. Bei Freunden ist alles klar, kiss and/or hugs. Kein Problem. Aber es passiert uns immer wieder, dass selbst Menschen, die man zum ersten Mal trifft, nur verbal grüssen, nicht aber die Hand geben. Und wenn man jemanden das zweite, dritte, xte Mal trifft, dann gibt es sowieso nur „Hi, How are you?“. Das ist natürlich irritierend und erfordert blitzartiges, spontanes Reagieren. Wenn man seine Hand schon ausgestreckt hat und sie in der Luft hängenbleibt. Und es verunsichert. Was macht man? Gar keinen Versuch? Aber es gibt doch Menschen, die schütteln einem zur Begrüssung die Hand. Wir hatten die Vermutung, dass hier mal wieder die Paranoia zuschlägt, und man das Händeschütteln aus Angst vor Bakterien und Viren sein lässt. Eine Studie scheint das in einem gewissen Rahmen zu unterstützen. Durchgeführt wurde die Studie von Purell (Hand Sanitizer), die haben natürlich ein Inetresse am Thema. Wie auch immer. Also demnach haben 15% der Befragten gesagt, sie verzichten auf’s Händeschütteln aus Angst vor Bakterien, Bazillen, Keimen. Anscheinend sind die Menschen an der Ostküste besorgter als die an der Westküste. 50% der Ostküstler haben angegeben, nur zögerlich die Hand zu geben. An der Westküste waren es nur 35%. Übrigens 26% der Amerikaner bezeichnen sich als „germophob“.

Also unsere Vermutung war nicht so ganz falsch, gilt aber nicht für alle. Und Freunde bestätigen das. www.ediplomat.com erklärt: „American greetings are generally quite informal. This is not intended to show lack of respect, but rather a manifestation of the American belief that everyone is equal.” Nach Gesprächen und Recherchen habe ich für mich das Thema mal so sortiert: In Geschäftsbeziehungen gehört das Handeschütteln zur Begrüssung dazu. Anders in privaten Beziehungen. Da kann man das Thema entspannter angehen. Ohne unhöflich zu sein. Wenn man jemandem vorgestellt wird, ist es schön, sich die Hände zu schütteln. Das passiert auch. Gilt auch als höflich. Ich habe auch gelesen, dass, wenn sich ein Mann und eine Frau treffen, der Mann wartet, bis die Frau die Hand ausstreckt, wenn sie Händeschütteln will. Männer geben sich die Hand. Fraün früher nicht, das nimmt aber zu. Kommt man zu einer grösseren Gruppe dazu, reicht die verbale Begrüssung in die Runde. Und auch wenn man sich verabschiedet, gibt man nicht unbedingt die Hand. Trifft man jemanden, den man schon kennt, kann man das Händeschütteln sein lassen. „Hi, how are you?“ und small talk sind dann das Ritual.

Ich fühl mich jetzt ein bisschen schlaür. Und zur Not haben wir ja immer noch den „Deutschen-Bonus“. Da kann man sich manchmal noch Fehler erlauben.

using allyou.net