Dec. 18, 2015

„All the World's Futures“

war der Titel der diesjährigen Kunst-Biennale in Venedig. Das Setting allein ist schon beeindruckend. Venedig, diese dichte, unbeschreiblich schöne Stadt, allein schon ein Kunstwerk. Die Giardini Publici mit den historischen Pavillions der Länder. Der deutsche Pavillion beispielsweise stammt aus der NS-Zeit. Das Arsenale, das Gelände einer ehemaligen Schiffswerft, mit rostigen Eisenkonstruktionen und großen Industriehallen, umgeben von Wasser. Kirchen und Paläste über die Stadt verteilt, ein alter Hafenterminal. Das alles sind die Orte, an denen man in Venedig alle zwei Jahre internationale Kunst erleben kann. In diesem Jahr war das Motto „All the World`s Futures“. Es haben 89 Länder teilgenommen, davon 29 in den historischen Pavillions der Giardini Publici, 31 in den Räumen des Arsenale und der Rest über die Stadt verteilt. Gezeigt wurden Werke von 136 Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen. Die Ausstellungsstätten: eigene Welten, voll mit Formen, Farben, Bildern, Klängen, Gerüchen, Informationen, Missionen. Viel Überraschendes, viel Inspirierendes. Vieles zum Staunen, Lernen, Erleben. Vieles, was zur Auseinandersetzung mit Neuem, Anderen einlud. Ein paar Impressionen: Der Pavillion der nordischen Länder: Rapture, ein Projekt von Camille Norment. Wichtiger Bestandteil der Installation war Sound. Die Künstlerin hat Musik für die Glas Harmonika komponiert. Früher wurde das Instrument dafür gepriesen, Menschen zu heilen. Dann wiederum verteufelt, weil man glaubte, es versetze Menschen in Ekstase. Norment kreierte einen multisensorischen Raum und geht darin der Beziehung des menschlichen Körpers zu Klang nach. Der Effekt wurde verstärkt durch das Licht und das Glas in diesem ganz besonderen Pavillion, in dem drei Bäume durch die Decke wachsen.

Der Schweizer Pavillion: „Our Product“ von Pamela Rosenkranz, ebenfalls eine multisensorische Erfahrung. Farbiges Licht, Gerüche, verschiedene (Kunst)Stoffe, Sound sind die Zutaten. Der Eingangsbereich war mit einem grünen Farbton beleuchtet. Der Hauptraum wurde von ihr mit Kunststoff ausgekleidet und mit einer hautfarbenen Flüssigkeit gefüllt. Diese Farbe entspricht dem standardisierten mitteleuropäischen Hauptton und wird heute in der Werbung zur Aufmerksamkeitssteigerung eingesetzt. Man hörte ein syntetisches Wassergeräusch , das von einem Algorithmus in Echtzeit generiert wurde. Es duftete. In ihrer Beschreibung zum Pavillion steht „Diese (...) Installation wirkt ästhetisch anziehend, ist jedoch intellektuell verstörend.“ Das stimmt. Ich bin ganz still wieder rausgegangen und konnte es noch eine Weile wirken lassen.

Im so genannten Arterminal, einem Terminal am Wasser, war die Ausstellung „The Bridges of Graffiti“ zu sehen. Der riesige Ausstellungsraum wurde gestaltet von 10 bekannten Graffiti-Artists aus verschiedenen Ländern, die zum ersten Mal zusammengearbeitet haben, „bringing to life a single cohesive Hall of Fame piece within the Arterminal walls.“

Die nächste Kunst-Biennale in Venedig findet 2017 statt.

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